Geschichte der Kirchengemeinde Willmars
Über die kirchliche Versorgung der kleinen Orte im Rhön-Grabfeld vor der Reformation ist kaum etwas bekannt. Von den vier idyllischen Ortschaften Willmars, Filke, Neustädtles und Völkershausen besaß damals überhaupt nur Willmars ein Gotteshaus. Willmars soll damals jedoch noch zu Hermannsfeld gehört haben. All dies beruht indes auf nichts weiter als Vermutungen, da jegliche urkundliche Aufzeichnung darüber fehlt.
Erst im Jahre 1566 kam ein förmlicher Vertrag zwischen Graf Georg Ernst von Henneberg und den Ganerben Valentin von Stein zu Nordheim, Wolf Zufraß von Henfstedt, Philipp von Stein usw. über die Zuweisung von Willmars nach Stedtlingen zustande. Dabei ist Willmars eigene Kirchgemeinde mit eigenen Kirchenbüchern. Seit diesem Jahr sind auch erstmals Personen im Abendmahlsregister von Willmars verzeichnet.
Als 1721 das fürstliche Haus Sachsen-Meiningen seinen hennebergischen Anteil an Willmars mitsamt dem Patronatsrecht an Carl Ludwig Schenk zu Schweinsberg verkauft, beginnt für die Pfarrei Willmars eine neue Zeit. Sie wird zur eigenen Pfarrei und Carl Ludwig Schenk erbaut ein neues Pfarrhaus innerhalb der Kirchenburg (das heutige Haus der Jugend) und präsentiert als ersten eigenen Pfarrer Heinrich Schrodt aus Marburg. Wurden die umliegenden kleinen Gemeinden und Pfarreien wie Filke, Völkershausen und Neustädtles im 18. Jahrhundert zum Spielball kirchlicher Machtpolitik, so ist Willmars seither immer Gemeindestandort geblieben.
1794 hatte Graf Julius von Soden Neustädtles gekauft. Er trennte Neustädtles aus Willmars heraus, setzte einen eigenen Pfarrer ein, ließ ein eigenes Gesangbuch und einen Kleinen Katechismus drucken, welchen er selbst verfasste. Er ließ neun neue einstöckige Häuser bauen und nahm, obwohl selbst evangelisch, zumeist katholische Kolonisten auf.
In Willmars bestand neben der evangelischen Kirchgemeinde auch eine jüdische Gemeinde. Trotz heftiger Proteste des Pfarrers und der Gemeinde ließ Carl Ludwig Schenk zu Schweinsberg bereits 1727 eine Judenschule errichten. 1806 waren 33 von 182 Häusern in jüdischem Besitz, 1830 lebten 181 Juden in Willmars. Um 1900 wurde eine neue Judenschule (Synagoge) errichtet, ein staatlicher zweistöckiger Backsteinbau, der heute noch steht. Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es jedoch zunehmend zu Gehässigkeiten gegenüber dem jüdischen Bevölkerungsteil. Im Oktober 1938 sollte die Synagoge in einen Getreidespeicher umgewandelt werden. Beim Umräumen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, welche sich in der Progromnacht noch verstärkten. Dies beschleunigte den Wegzug jüdischer Familien aus Willmars. Nach 1938 lebte lediglich noch eine jüdische Familie im Ort. In der Gemarkung Neustädtles liegt der zur Judengemeinde Willmars gehörige Judenfriedhof. Auf diesem befinden sich 431 Gräber von Juden aus den Gemeinden Willmars, Nordheim, Oberelsbach und Weisbach.
Unsere Kirche
Geschichtliche Informationen
Aus der Zeit um 1000 stammt das Turmuntergeschoss der Kirche zu Willmars. Die Wandmalereien im Chor entstammen der vorreformatorischen Zeit. In der Zeit von 1568 bis 1600 und dann nochmals 1705 erfolgten größere Umbauten. Bei der letzten Renovierung wurden die alten Mauern erhöht und verstärkt und innerhalb der Kirche die obere Empore eingebaut. 1788 verlegte man den Aufgang zu den Emporen nach innen und richtete die obere Empore als Herrschaftstand ein. 1719/20 erhielt der Kirchturm seine jetzige Gestalt, eine sogenannte Welsche Haube mit Laterne. Die jetzige Orgel stammt
aus dem Jahr 1759, die Turmuhr aus dem Jahr 1793. Baulich durchaus bemerkenswert ist im Kircheninneren der Taufstein aus dem Jahr 1592 und die Kanzel, welche bereits 1590 renoviert wurde.
Bauliche Informationen
Das Kirchenschiff ist 17 Meter lang und neun Meter breit. Die Kirche ist beheizbar. Sie bietet 200 Plätze. Die Akustik kann als gut bezeichnet werden.
Pfarrhaus
Das 1985 erbaute, in einem Garten gelegene, hübsche Pfarrhaus ist in einem sehr guten Zustand und besitzt neben dem Amtszimmer, der Registratur im Erdgeschoss, in den großzügigen zwei Obergeschossen ausreichend Wohnraum für eine Pfarrersfamilie mit Kindern (ca. 130 qm).
Unsere Kirchen
Ev. Kirche in Willmars(200 beheizbare Plätze)
Ev. Kirche in Neustädtles
Ev. Kirche in Völkershausen(erb. 1722 - 32)
Das Örtchen Willmars
Die kleine, beschaulich gelegene Gemeinde im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken im Landkreis Rhön-Grabfeld gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Ostheim vor der Rhön.
Willmars in Zahlen
Einwohner: 693
- 346 Männer
- 347 Frauen
Postleitzahl: 97647
Kennzeichen: NES
Telefonische Vorwahlen: 09777, 09779
Einwohnerdichte: 56 Einw./km2
Höhe ü. NN: 340 m
Adresse der Verwaltung:
Marktstraße 24, 97645 Ostheim v.d.R.
Bürgermeister: Reimund Voss (SPD/FWG)
